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Diagnostik von Nieren- und Hochdruckerkrankungen2016-12-15T15:57:35+00:00

Diagnostik von Nieren- und Hochdruckerkrankungen

Rund um die Diagnostik von Nieren- und Hochdruckerkrankungen stellen sich für Patienten und Angehörige oft Fragen zu einzelnen Verfahren oder Fachbegriffen. Hier bieten wir Ihnen einige Informationen. Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung!

Eine einfache, aber sehr wichtige, Untersuchung zur Überprüfung der Nierenfunktion ist die Urinuntersuchung. Durch diese Untersuchung hat der Arzt einen einfachen Weg, sich Überblick zu verschaffen, ob eine relevante Nierenerkrankung vorliegt. Für eine genaue Aussage ist ein korrekt gewonnener Mittelstrahlurin erforderlich. Mittelstrahlurin bedeutet, dass die erste und letzte Portion des Urins verworfen werden. Nur der mittlere Teil wird aufgefangen und untersucht. Hierdurch erhält man eine saubere Urinprobe.

Aus der Urinprobe werden folgende Befunde erhoben

  • Eiweiß im Urin zeigt eine Schädigung der kleinen Filtersysteme an.
  • Blut (rote Blutkörperchen, Erythrozyten) im Urin können auf eine Entzündung der Nieren, der Blase oder Harnröhre hinweisen. Verletzungen in der Blase oder Harnröhre können ebenfalls zu Blut im Urin führen.
  • Zucker im Urin kann das Vorhandensein eines bisher nicht entdeckten Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) hinweisen.
  • Bakterien im Urin weisen auf eine Entzündung der Harnwege hin.
Mit Hilfe des Sammelurins kann eine exakte Bestimmung der Leistungsfähigkeit der Nieren erfolgen. Hierzu wird der Kreatininclearance bestimmt. Weiterhin kann die Höhe der Eiweißverluste über einen ganzen Tag bestimmt werden. Mit diesen Befunden lässt sich der Erfolg der Therapie-maßnahmen und der Verlauf sehr gut beobachten. Voraussetzung ist eine korrekte Sammlung des Urins.

Kreatinin

Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels, das über die Nieren ausgeschieden wird. Wenn die Nieren nicht mehr ausreichend arbeiten, steigt die Kreatinin-konzentration im Körper an. Somit ist dieser Blutwert ein Maß für den Grad der Nierenschädigung. Der gesunde Mensch hat einen Wert von 0,8–1,1mg/dl. Bei Werten von 8–10mg/dl reicht die Nierenleistung in der Regel nicht mehr aus, und es muss mit der Dialysebehandlung begonnen werden. Die Bestimmung des Kreatinins ist ein grober Richtwert, um die Nierenleistung zu messen. Das heißt, er bleibt im Blut noch lange normal, obwohl schon eine Verschlechterung der Nierenfunktion entsteht oder voranschreitet. Außerdem ist der Kreatininwert abhängig von der körperlichen Aktivität. Wenn die Muskeln stark beansprucht werden, fällt mehr Kreatinin an, als wenn der Mensch den ganzen Tag im Bett liegt und die Muskeln gar nicht bewegt. Bei der Muskelarbeit wird ein hoher Kreatininwert gemessen, und im anderen Fall ein niedriger Wert. In beiden Fällen ist die Nierenfunktion jedoch gleich.

 

Kreatininclearance

Wesentlich genauer als die Kreatininbestimmung im Blut ist die Messung der Kreatininclearance im 24-Stunden–Sammelurin. Dabei wird untersucht, wie viel von dem im Körper vorhandenem Kreatinin mit dem Urin ausgeschieden wird. Dieser Messwert ist viel genauer und zeigt bereits geringe Veränderungen in der Nierenfunktion an. Die Messung ist sehr empfindlich, weswegen eine ganz genaue Sammlung des gesamten Urins erforderlich ist, damit keine falschen Befunde entstehen. Der Normalwert für die Kreatininclearance ist altersabhängig und liegt zwischen 90 und 130 ml/min. Bereits bei einem Serumkreatinin von 1,5mg/dl. Ist die Kreatininclearance (also die Nierenleistung) bereits um die Hälfte abgefallen. Bei höheren Kreatininwerten ist der Abfall der Leistung nicht mehr so erheblich.

Ein weiterer wichtiger »Nierenwert« ist der Harnstoff im Serum. Harnstoff ist ein Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels. Je mehr Eiweiß der Körper verarbeitet, desto höher ist der Harnstoff im Blut. Auch Harnstoff wird über die Nieren ausgeschieden und steigt somit bei einer Nierenschwäche an. Dieser Wert spielt vor allem zur Überprüfung einer eiweißarmen Diät eine große Rolle. Mit dem Harnstoffwert kann der Eiweißstoffwechsel beurteilt werden.
Der Blutdruck spielt bei einer Nierenerkrankung eine sehr große Rolle. Ein schlecht eingestellter Blutdruck führt zu einem rascheren Fortschreiten der Nierenerkrankung. Zusätzlich werden andere Organe (Herz. Gehirn, Blutgefäße) geschädigt. Deswegen kontrolliert jeder Patient mit einem erhöhten Blutdruck diesen selbst mit einem eigenen Messgerät zu Hause. Diese Kontrollen sind jedoch nur Momentaufnahmen. Einen genaueren Überblick über den Blutdruck erhält man mit einem Gerät, das automatisch alle 15-20 Minuten den Blutdruck misst. Viele Blutdruck-kranke haben vor allem in der Nacht hohe Werte, die nur mit dieser Methode erfasst werden. Weiterhin kann der Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme besser festgelegt werden, wenn die Blutdruckwerte eines Tages bekannt sind.
Die Sonographie ist eine nebenwirkungsfreie, einfache Untersuchung, die in der Diagnose einer Nierenerkrankung oft entscheidend weiterhilft. Die Größe der Nieren kann vermessen werden, man kann feststellen ob sich der Urin staut oder ob sich Zysten bilden. Die Sonographie hat heute aufwendige Röntgenuntersuchungen teilweise verdrängt. Dennoch wird man von Fall zu Fall auch röntgen müssen. Insbesondere wenn es um Nierensteine und deren Komplikationen geht, wird häufig eine Röntgenuntersuchung der Nieren erforderlich. Ebenso wenn der Verdacht auf ein bösartiges Wachstum in den Nieren besteht. In so einem Fall wird häufig eine Computertomographie durchgeführt. Bei dieser Untersuchung wird die Röntgenuntersuchung durch die Computertechnik unterstützt, wodurch man besonders gute Bilder erhält.
Die Nierenbiopsie ist ein einfacher Eingriff, der in örtlicher Betäubung durchgeführt wird. Dabei liegt der Patient auf dem Bauch, und die Niere wird mit einer dünnen Nadel, die etwas dicker ist als die Nadel zum Blut abnehmen, vom Rücken aus punktiert. Mit dieser Nadel wird etwas Gewebe aus der Niere entnommen. Diese Gewebeprobe wird dann im Labor untersucht. Eine Nierenbiopsie ist nicht schmerzhafter als eine Blutentnahme. Um keinen Bluterguss an der Niere zu bekommen, muss der Patient nach der Punktion 24 Stunden liegen bleiben. Konkret bedeutet das, dass man für eine Nacht im Krankenhaus aufgenommen werden muss. Am anderen Tag geht man nach Hause, sollte aber für etwa 14 Tage keine schwere körperliche Arbeit verrichten.